Donnerstag, 9. Februar 2017

Elbe-Saale-Camp erhält Förderpreis der Andreas-Mohn-Stiftung

Bei minus fünf Graf pfiff ein eisiger Wind über das Ufer der Elbe, gefühlt waren es wohl eher minus zehn Grad. Dieses unwirtliche Wetter war kein Hindernis, dem Elbe-Saale-Aktionsbündnis unmittelbar am Elbufer einen Preis zu übergeben.

Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen, kam extra zu diesem Termin aus Berlin an die Elbe. Gemeinsam mit der Dessauer Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke überreichte sie auf der Terrasse des Dessauer Kornhauses den Förderpreis der Andreas-Mohn-Stiftung an die Elbe-Saale-Aktivisten um Jutta Röseler.

Simone Peter und Steffi Lemke überreichen den
Förderpreis der Andreas-Mohn-Stiftung an
Jutta Röseler, Thoralf Winkler, Iris Brunar und
Ernst-Paul Dörfler (von links nach rechts)
stellvertretend für das Elbe-Saale-Aktionsbündnis 

Der diesjährige Förderpreis wurde von der Andreas-Mohn-Stiftung zu gleichen Teilen an die Partei Bündnis 90 / Die Grünen sowie an die Umweltorganisation Greenpeace für deren umweltpolitisches Wirken vergeben. Stifter Andreas Mohn betonte, Umweltpolitik sei für ihn immer auch Friedenspolitik. Anja Heyde, Moderatorin beim ZDF-Morgenmagazin beschrieb die Fortschritte beim Umweltschutz anhand des Rheins. In dem Fluss, einst eine stinkende Kloake, schwämmen wieder Fische; man könne sogar daraus trinken. Der Rhein stehe exemplarisch für das, was Greenpeace und Grüne in diesem Land geschaffen hätten: Eine Sensibilität, dass man nur diese eine Umwelt habe. Ohne die Arbeit der Preisträger stünde Deutschland nicht exemplarisch in Europa für den Umweltschutz.

Die Grünen wiederum wollten im Sinne des Stifters mit dem Preisgeld zwei Umweltinitiativen unterstützen. Die Wahl fiel auf den an der Nordsee tätigen Mellumrat und auf das Elbe-Saale-Aktionsbündnis. Das was für den Rhein gilt, ist inzwischen auch an Elbe und Saale wahr geworden. In den einst stinkenden Flüssen kann man wieder bedenkenlos Baden, die Natur erholt sich allmählich von hundert Jahren industrieller Nutzung. Die im Elbe-Saale-Aktionsbündnis zusammengeschlossenen Flußschützer kämpfen seit 25 Jahren dafür, den guten ökologischen Zustand von Elbe und Saale nicht wieder den einseitigen Interessen der Schiffahrt zu opfern.

Simone Peter äußerte sich bei der Weitergabe des Preises an das Aktionsbündnis erfreut darüber, daß sich Menschen an Elbe und Saale für ihre Flüsse einsetzen. Peter, die selbst Gewässerökologin ist, sagte, "das erinnert mich an meine Heimat, wo wir an Mosel und Saar ähnliche Probleme zwischen den Interessen von Natur, Industrie und Schiffahrt zu lösen haben". Wer diese Flüsse kennt, der weiß, dass sie für die Güterschifffahrt durchgehend ausgebaut und gestaut wurden. Trotz der nun möglichen ganzjährigen Schiffbarkeit ist der erhoffte Boom der Transporte über das Wasser ausgeblieben. Der Lebensraum eines fließenden Fluss ist zerstört.

Elbe und Saale sind immer noch davon bedroht, sich den Interessen einer immer bedeutungsloser werdenden Schiffahrt unterordnen zu müssen. Die Folgen eines fortgesetzten Ausbaus (auch wenn dieser von den Wasserstraßenämtern und Schiffahrtslobbyisten verharmlosend als Erhaltungsmaßnahme umschrieben wird) sind in den Auenlandschaften unübersehbar. "Inzwischen merken das auch die Menschen hier aus eigenem Erleben", sagt Jutta Röseler und beschreibt ein Erlebnis im Wörlitzer Park: "Dort sind die Gondelfahrten bei den Touristen sehr beliebt. Als ich dort war, bezweifelte der Bootsführer, eine Woche später überhaupt noch fahren zu können – durch die Eintiefung der Elbe ist der Wasserstand auch im Park gesunken". Steffi Lemke verwies auf den gleich neben dem Kornhaus gelegenen Kanuverein Dessau, in dem sie selbst Mitglied ist. "Das sind ganz normale Leute, die nicht unbedingt zu den Grünen gehören. Aber auch dort merke ich, daß unsere Diskussionen angekommen sind, höre ich Zustimmung zu unseren Positionen".

Im Anschluss an die Preisübergabe wurde, wieder zurück im Warmen, noch eine Zeit lang über Themen rund um die Flüsse diskutiert. Eine große Rolle spielte dabei auch der gerade abgeschlossene Prozeß der Erarbeitung eines "Gesamtkonzeptes Elbe". Dessen Ergebnis wollen die Schiffahrtsverbände gegenwärtig als Erfolg für sich verkaufen. "Wie man an der Elbe, die schon jahrelang im Winter Niedrigwasser führt, die 1,40 Meter Wasserstand (vorher 1,60 Meter) erreichen kann, konnte auch dort keiner erklären", sagte Paul Dörfler und  erklärte, gemeinsam mit dem Aktionsbündnis die ökologische Nutzung der Elbe weiter zu unterstützen. "Das Elbe-Konzept", so seine Kritik, "ist allenfalls ein Zwischenschritt, wie auch Bund und Länder bestätigt haben. Nun müssen die Planungen und Unterhaltungsmaßnahmen auf das Konzept abgestimmt werden, bevor an der Elbe weitergebaut werden kann. Mittels Unterhaltung einen alten Zustand wiederherstellen zu wollen, hat maßgeblich zur Tiefenerosion und damit zur Verschlechterung des ökologischen Zustandes von Fluss und Aue beigetragen. Damit wird das inzwischen erkannte Hauptproblem Tiefenerosion verschlimmert".

Allen Anwesenden war klar, daß der Kampf für die Erhaltung der Natur an Elbe und Saale noch längst nicht gewonnen ist. Das 25. Elbe-Saale-Camp wird die bisher geleiste Arbeit fortsetzen. Die Naturschützer freuen sich über das Preisgeld als willkommene Unterstützung, die in die Gestaltung des bevorstehenden Camps einfließen wird.
Das diesjährige Elbe-Saale-Camp findet vom 22. zum 30. Juli 2017 auf den Elbwiesen nahe der Elbefähre Barby statt.

Mittwoch, 10. August 2016

Musikalischer Rückblick

Glinde7 hat drei kleine Videos von ihrem Konzert im Elbe-Saale-Camp auf Youtube veröffentlicht. Diese geben nochmal einen ganz kleinen Eindruck von der schönen und fröhlichen Musik des Abschlußfestes des Elbe-Saale-Camp.






Samstag, 30. Juli 2016

Am Lagerfeuer

Der letzte Abend des diesjährigen Elbe-Saale-Camp klang am Lagerfeuer aus, wie schon die meisten Abende zuvor. Rot- und Weißwein, gemeinsam zu Juttas Gitarrenklängen Lieder singen oder einfach nur dasitzen, unter dem blauen Nachthimmel träumen, die Erlebnisse des Camp nachwirken lassen. Einen schöneren Abschied vom Camp kann es gar nicht geben.

Wiesentanz mit Glinde 7

Die Irish-Folk-Band Glinde 7 spielte unter dem Dach des Veranstaltungszeltes zum Wiesentanz. Die Band aus Barbys Nachbarort Glinde hat bereits einigemal die Eröffnung oder den Abschluß des Camp begleitet und lockte auch diesmal wieder zahlreiche Gäste ins Elbe-Saale-Camp.
Joachim Koch (acc)
Steffen Simoneit (mando, bjo, git)
Kathrina Koch (git, voc)
Lousia Koch (git, voc)
Philipp Dießner (perc)
Joachim Koch, Steffen Simoneit, Kathrina Koch,
Louisa Koch, Philipp Drießer (v.l.n.r.)

Camp-Organisatorin Jutta Röseler, die selbst ebenfalls in Glinde zu Hause ist, wußte, daß sie sich auf "ihre" Band verlassen kann: "Den Auftritt habe ich ganz spontan erst kurz vor dem Camp abgesprochen, weil anfangs noch nicht klar war, ob die Musiker grad im Urlaub sind", sagte sie in ihrer Anmoderation und freute sich auf die irische Musik der Band.

Sängerin Kathrina Koch konnte das bestätigen: "ich habe erst von dem Auftritt erfahren, als ich von Philipp einen Artikel der Volksstimme mit dem Programm des Camp zugeschickt bekam", erzählte sie lachend, "aber dann dachte ich, ok, ja, dann machen wir das natürlich". Tatsächlich war die Band erst kurz vorher aus dem Urlaub zurückgekommen. In Irland, wo sonst. Allerdings nicht zum musizieren, sondern zum erholen. Aber ganz ohne musikalische Inspiration kommt man wohl von der grünen Insel nicht zurück. Viel davon steckte in der Musik der Band. Zu der am Ende auch auf der Wiese vor dem Zelt getanzt wurde.

Kabarett mit Lars Johansen

Am Nachmittag war der Magdeburger Kabarettist Lars Johansen im Elbe-Saale-Camp zu Gast.


In gewohnt bissiger Art teilte er seinen Rundumschlag aus. Da ging es um falsch besetzte Ämter ("die beste Voraussetzung für ein Amt ist, davon keine Ahnung zu haben"), über Luther und Wittenberg, natürlich über Flüsse im Allgemeinen und die Elbe im Besonderen ("die tieft sich immer weiter ein, inwischen gibt es schon Stützbuhnen für die Buhnen und Stützbuhnen für die Stützbuhnen"), über Magdeburg und seinen Tunnel, über Wahlfälschungen und Steuerschulden – kurz gesagt: es ging quer durch die bundesdeutsche, vor allem aber durch die sachsen-anhaltische Politik.
Wer mehr von ihm hören will – darauf wies Lars Johansen am Ende seines Programmes hin – ist herzlich zu seinem neuen Programm "LARS WARS – Voll drauf"eingeladen. Premiere ist am 20.08. im Moritzhof Magdeburg.


Abschlussfest

Im großen Zelt war bereits die Kaffeetafel gedeckt, es gab frischen Kuchen (einige wurden sogar im Camp selbst gebacken) und Kaffee.


Für die Kinder (wie man später sehen konnte, nicht nur für die) gab es sehenswertes aus der Natur und etwas zum Basteln. Alexa Sabarth hatte in Terrarien einige Laubfrösche mitgebracht. "Aus zertifizierter Zucht", wie sie extra betonte, "nicht der Natur entnommen". (Letzteres wäre sogar strafbar, wie sie informierte). Die winzig kleinen, hellgrünen Tiere begeisterten Jung und Alt, wenn man sie erstmal entdeckt hatte.


An einem Tisch daneben konnte mit Ton gebastelt und modelliert werden. Basteln mit Naturmaterialien, eine schöne Sache für einige Campbesucher, die sich intensiv der plastischen Kunst widmeten.

Elbe-Andacht

Der Nachmittag des letzten Camp-Tages begann bei herrlichem Sonnenschein mit einer Elbe-Andacht, im Veranstaltungszelt vor dem Kreuz aus Elbe-Schwemmholz und mit der Elbe und den grünen Elbauen im Hintergrund. Die Predigt hielt Ronald Höpner, Pfarrer in Quellendorf.


In seinen Text spielte das Wasser eine wichtige Rolle, die Frage "Was ist es uns Wert, dass wir frisches Wasser haben". Oder auch zu Essen, oder ein Dach über dem Kopf. Eben die alltäglichen Dinge im Leben, die wir so gern aus dem bewussten Erleben verdrängen. So wie auch die Natur, die Flüsse. Die Ronald Höpner als Adern des Lebens mit dem menschlichen Blutkreislauf verglich. In denen das Wasser fließen muss, um den Fluss lebendig zu halten. "Gestaute Flüsse sind die Krampfadern der Natur", setzte er dieses Gleichnis fort.
In Fürbitten wurde für die Bewahrung der Schöpfung gebetet, für das Widerstehen gegen die Versuchungen des Konsums.


Am Ende der Elbe-Andacht stand Paul Dörfler auf und bedankte sich ausdrücklich bei Jutta Röseler für die lange und wiederholte Organisation des Camps. Iris Brunar wies später auf die zur Zeit noch viel wichtigere Arbeit hin, die Jutta Röseler leistet, indem sie am Runden Tisch zum Gesamtkonzept intensiv mitarbeitet: "Sie schafft es dort in den Gremien immer wieder, die Fakten zu ordnen und auf den Punkt zu bringen. Manchmal etwas unorthodox und überraschend, aber immer sinnvoll und klug", sagte sie. "Damit ist sie eine wichtige Vertreterin der Flussinitiativen".